• Christian Krknjak

Ladeinfrastruktur - Unterwegs mit dem Nissan Leaf ZE1


Mehr als einmal kann mir beim Schnellladen nur die jeweilige Hotline des Ladesäulenbetreibers weiterhelfen. Ich will oftmals an Schnellladesäulen nur einige Minuten "nachtanken", damit ich sicher nach Hause komme. Zu Hause kann ich dann in Ruhe über Nacht voll aufladen.

Manchmal konnte ich den Schnellladevorgang per App oder Ladekarte an der Säule vorzeitig beenden und weiterfahren, meist aber nicht. Hier hat mir jeweils die Hotline weitergeholfen und per Fernwartung den Ladevorgang abgebrochen.

Die Ladesäule muss den Schnellladevorgang beenden und dies dem angeschlossenen Auto mitteilen, damit das Auto dann die Steckerveriegelung löst und ich den Ladestecker abziehen kann.

Bei einer Fahrt zurück von Fürth nach Hause (ca. 170 km, knapp 2 h Dauer) sinkt die Restreichweite schnell. Es ist kühl, regnerisch und dunkel. Die Autobahnfahrt samt Heizung, Licht, Scheibenwischer und Tempo 120 km/h lässt die Reichweite schmelzen. Statt 270 km komme ich ca. 160 km weit. Also wieder eine kleine Ladepause am DC-Schnelllader um des Nachts noch vollends nach Hause zu kommen. Ich starte den Ladevorgang und denke, dass ich nach 10 min. genug Reichweite für die restlichen 60 km geladen habe. Als ich nach dem Besuch der Toilette zum Auto zurück komme und den Ladevorgang beenden will, reagiert die Ladesäule nicht. Nicht auf meine Karte, nicht auf die App. Einen Not-Aus oder sonstigen Abschalter gibt es nicht. Ich hoffe Freitag nachts gegen 23:30 Uhr auf die Hotline. Nach 15(!) min. in der Warteschleife bin ich froh, dass jemand ran geht.

Ja, bestätigt mir die Dame, sie sehe den Ladevorgang am Computer. Leider kann sie diesen diesmal nicht abbrechen, die Ladesäule reagiert nicht. Sie gibt dem Techniker bescheid, dieser würde dann vor Ort kommen. Montag früh ab halb Acht dann... Mehr kann sie nicht für mich tun und ich überlege, wie ich nach Hause komme während das Auto per verriegeltem Ladestecker fest mit der Ladesäule verbunden bleibt...

Es ist mittlerweile 0 Uhr und ich prüfe das doch etwas dicke Handbuch des Autos auf eine Notentriegelung oder ähnlich. Und tatsächlich finde ich ein entsprechendes Kapitel zur mechanischen Notentriegelung des Ladesteckers. Ich müsse eine Abdeckung im Motorraum lösen und abnehmen, dann den Mechanismus von Hand betätigen. Mit der Handy-Taschenlampe und Taschenmesser starte ich die Kunststoffstöpsel besagter Abdeckung zu lösen. Mittlerweile ist es kurz vor 0:30 Uhr und der Tesla gegenüber ist längst geladen und weiter gefahren.

Doch dann klickt plötzlich auch mein Auto, ich traue meine Augen kaum, ein grünes Licht zeigt an, dass ich den Ladestecker ohne Gefahr abziehen kann.

An dieser Ladesäule muss ich mein Fahrzeug komplett aufladen, damit die Säule den Ladevorgang ordnungsgemäß beendet und den Stecker freigibt. Wieder was gelernt. Völlig entnervt fahre ich nach Hause.

Derartige Erlebnisse hatte ich zu genüge. Entweder funktioniert die Ladesäule gar nicht, ich habe nicht die richtige Ladekarte dabei bzw. App installiert. In Parkhäusern ist oft kein Handy-Empfang und dann nützt auch die korrekte App nichts... Schnellladesäulen sind praktisch und schön, oft lässt sich aber der Ladevorgang nicht vorzeitig beenden. Statt mal schnell 15 min. nachzuladen stehe ich dann knapp 1 h bis zur Vollladung da oder brauche die Hotline oder einen Not-Aus-Schalter um vorzeitig abzubrechen.

Das Ladenetz ist eigentlich ausreichend, jedoch nicht mit Schnellladern. Im Ort bzw. auf'm Land finden sich meist nur Ladesäulen mit einigen kW Ladeleistung. Hier muss der Nissan dann schon mehrere Stunden stehen, um nennenswert "Reichweite zu tanken". DC-Schnelllader finden sich meist an Autobahnraststätten - gut wenn eine in der Nähe erreichbar ist, frei ist und funktioniert.

Nach knapp einem halben Jahr derartiger Erlebnisse ist auch bei mir angekommen - als Elektromobilist muss ich deutlich enthusiastisch sein, Einschränkungen hinnehmen, die einfach nicht in die Zeit passen.

Nachdem ich mich nicht wirklich darauf verlassen kann, zur vereinbarten Zeit am Ziel anzukommen (und wieder zurück zu kommen), bemühe ich wir-kaufen-dein-auto.de und verkaufe den Nissan Leaf Elektro mit deutlichem Verlust.

Das Auto selbst ist super, ich hatte großen Fahrspaß. Für eine gelingende Elektromobilität müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen. Also die unbedingt funktionierende Möglichkeit, in kurzer Zeit nachzuladen. Klar, im engen Umfeld (Einkaufen, Weg zur Arbeit) funktioniert alles prima. Nur möchte ich mehr als 30 Tausend EUR ausgeben für einen Einkaufswagen? Für mich müssen Fahrten - mit moderatem Mehraufwand - in der Region möglich sein. Das sind sie aktuell noch nicht. Außer ich hätte einen Tesla (größerer Akku, funktionierende Ladeinfrastruktur), der ist nur noch teurer...

Ich schließe mein Elektro-Kapitel mit den Worten aus der bekannten Serie Top-Gear bzw. The Grand Tour:

"Und mit dieser herben Enttäuschung verabschieden wir uns...". Sehr schade.




 
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